Bancha-Tee zubereiten – weder Hexenwerk noch Labor-Arbeit
Viele Menschen schrecken vor dem Genuss von grünem Tee zurück, weil sie glauben, er sei kompliziert zuzubereiten. In der Tat ist die Handhabung von Tees, die direkt mit kochendem Wasser aufgebrüht werden, etwas einfacher. Doch auch das Kochen von grünem Tee ist kein Hexenwerk, zu dem man zwingend eine Laborausrüstung braucht. Noch nicht einmal ein Thermometer benötigen Sie, um die für Bancha nötige Wassertemperatur zwischen 80 und 90 Grad zu erreichen. Bancha verträgt dabei deutlich mehr Hitze als etwa Sencha oder Gyokuro, da er aus reiferem, kräftigerem Blattgut besteht.
Die richtige Wassertemperatur
Wobei es mit dem Thermometer natürlich am schnellsten und präzisesten geht: benötigte Wassermenge aufsetzen, erhitzen und mit dem Thermometer kontrollieren, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist.
Das Hantieren mit dem Thermometer kann man sich – gerade bei einem unkomplizierten Alltagstee wie dem Bancha-Tee – aber auch sparen. Für einen Liter Wasser mit ca. 80 Grad kocht man drei Viertel Liter Wasser auf und mischt ein Viertel Liter kaltes Wasser unter: macht einen Liter Teewasser mit ca. 80 Grad. Möchte man näher an die für Bancha ebenfalls gut geeigneten 90 Grad heran, reicht schon ein kleinerer Schuss kaltes Wasser: 900 ml kochendes Wasser plus 100 ml kaltes Wasser ergeben rechnerisch bereits gut 90 Grad.
Besonders unkompliziert können sich Tee-Trinker aus der Affäre ziehen, die es nicht ganz so genau nehmen: Die kochen einfach den Großteil des benötigten Teewassers auf und geben nur einen kleinen Schuss kaltes Wasser hinzu – das ergibt zuverlässig eine Temperatur zwischen 80 und 90 Grad, perfekt für den unkomplizierten Bancha-Tee.
Wer sich das Abmessen und Zusammengießen ganz sparen möchte, greift zur traditionellen Yuzamashi – einer japanischen Abkühlschale, die kochendes Wasser allein durch das Umgießen von einem Gefäß ins nächste auf die richtige Trinktemperatur bringt.
Je hochwertiger der Tee, desto eher sollte man sich am unteren Ende dieser Spanne orientieren.
- Wassertemperatur: 80–90 °C
- Tee-Menge: 1 gehäufter Teelöffel pro Tasse (ca. 200 ml)
- Ziehzeit: 1,5–3 Minuten
Abzuraten ist von der häufig propagierten Methode, das Teewasser aufzukochen und dann eine bestimmte Zeit lang auf die gewünschte Temperatur abkühlen zu lassen. Ein Liter kochendes Wasser braucht mehrere Minuten, um auf 90 Grad abzukühlen, und satte 20 Minuten, bis 80 Grad erreicht sind. Wer will denn so lange auf eine Tasse Tee warten?
Aufguss und zweiter Aufguss
Für den Aufguss selbst eignet sich eine klassische Kyusu besonders gut – die traditionelle japanische Teekanne mit Seitengriff hat ein eingebautes Sieb, durch das sich auch mehrere Aufgüsse bequem und ohne separates Teesieb abgießen lassen.
Schließlich sei noch erwähnt, dass viele Menschen auch den zweiten Aufguss eines Bancha-Tees gern trinken, der dann aber mit kochendem Wasser aufgegossen wird. Die Ziehzeit für diesen Aufguss beträgt nur wenige Sekunden. Der Empfehlung unter anderem der Wikipedia, Bancha grundsätzlich mit kochendem Wasser zuzubereiten, sollte man jedoch nicht Folge leisten. Insbesondere bessere Banchas werden von dieser Methode geschmacklich nicht profitieren.
Kalt aufgegossen: Bancha als Eistee
Gerade im Sommer lohnt sich der Kaltaufguss: 3 bis 4 gehäufte Teelöffel (ca. 8 g) frisch gelagerter Bancha auf 500 ml kaltes Wasser geben und 2 bis 4 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen – wer es milder mag, auch bis zu 8 Stunden. Da beim Kaltaufguss kaum Bitterstoffe aus den Blättern gelöst werden, schmeckt der Tee auch bei längerer Ziehzeit sanft und rund, nie herb. Praktischer Nebeneffekt: Auch das Koffein löst sich bei kalter Temperatur deutlich langsamer, der Aufguss ist also besonders bekömmlich. Einmal aufgegossen, sollte der kalte Bancha innerhalb von 24 bis 48 Stunden getrunken werden.



