Nicht nur einfach – Vielfalt ist Trumpf
Erstaunlich viele Teeportale ordnen den Bancha-Tee als einen dem Sencha unterlegenen Grüntee einfacher oder gar niedrigerer Qualität ein. Damit macht man es sich einfach, doch man wird dem Bancha nicht gerecht. Wäre der Bancha wirklich der zweitbeliebteste Tee Japans, wenn er von niedriger Qualität wäre?
Einfache Qualität
Mischungen (Blends) aus verschiedenen Ernten und Regionen, meist ohne klare Herkunftsangabe. Gerollte Blätter mit hohem Stängel-Anteil, oft brüchig und blass. Schmeckt meist wässrig, metallisch und leicht säuerlich – einziges Argument ist der niedrige Preis.
Mittlere Qualität
Ebenfalls oft Blends, aber aus deutlich hochwertigeren Pflanzen und klimatisch günstigeren Anbaugebieten. Geringerer Stängelanteil, feinere und dunkelgrünere Blätter. Schmeckt süffig, leicht süß und nur leicht mineralisch.
Hohe Qualität
Auch "Meban" genannt ("Me" = Knospe). Enthält Knospen und feinste Blätter aus den frühen Bancha-Ernten, sencha-nadel-ähnlich und kräftig dunkelgrün. Überzeugt mit sanfter, harmonischer Milde, feinen Bittertönen und mineralischer Note.
Beim Einkauf lässt sich die Qualität oft schon vor dem Öffnen erahnen: Eine klare Angabe zu Anbaugebiet und Erntezeitpunkt auf der Verpackung ist ein gutes Zeichen, ein bloßes "Grüner Tee" eher ein Warnsignal. Wer die Blätter durch eine durchsichtige Verpackung sehen kann, sollte auf eine satte, dunkelgrüne Farbe und einen möglichst geringen Anteil brüchiger Stängel achten.
In Japan wird die Erntereihenfolge selbst durchnummeriert: Ichibancha, die erste Ernte im April/Mai, liefert die nährstoffreichsten, mildesten Blätter – daraus wird meist der junge Sencha. Nibancha (Juni/Juli) und vor allem Sanbancha und Yonbancha (Spätsommer bis Herbst) ergeben gröbere, kräftigere Blätter mit weniger Umami und mehr Gerbstoffen – genau aus diesen späteren Ernten stammt klassischerweise der Bancha.
Sencha vs. Bancha
Wie schneiden nun die ungleichen Verwandten Sencha und Bancha im direkten Vergleich ab? Hier muss man die klassisch-salomonische Antwort "Das kommt darauf an." bemühen. Nämlich darauf, welchen Sencha man gegen welchen Bancha verkostet, welche Qualitäten man vergleicht. Vor allen Dingen ist wichtig, von welcher Ernte die Senchas und Banchas stammen, die man verkostet. Mit der riesigen Qualitätsbandbreite der Senchas kann der Bancha-Tee nicht mithalten, und ihn mit den absoluten Spitzen-Senchas zu vergleichen – gegen die er naturgemäß keine Chance hat – hieße, seinen Charakter misszuverstehen. Aber wenn man einen Sencha einer zweiten oder dritten Ernte mit einem guten Bancha der ersten Ernte vergleicht, werden plötzlich die Gemeinsamkeiten deutlich. Hier berühren sich dann nicht nur zwei Tee-Sorten, sondern zwei eigentlich gegensätzliche Tee-Philosophien.
Nicht zu verwechseln mit dem hier beschriebenen, klassisch gedämpften Bancha ist die Kyoto-Spezialität Kyō-Bancha (auch Iribancha genannt): Die Blätter werden dabei nicht gerollt, sondern nach dem Trocknen bei hoher Hitze geröstet. Das Ergebnis ist ein rauchig-würziger Tee mit kaum noch nachweisbarem Koffein – in Japan wegen seiner Kindertauglichkeit auch liebevoll "Baby-Bancha" genannt. Die auf dieser Seite empfohlenen Bancha-Tees aus Kyoto (Uji) sind aber ganz normaler, gedämpfter Bancha und nicht mit dieser gerösteten Spezialität zu verwechseln.
Wer im Westen schon mal japanischen Grüntee getrunken hat, kennt Bancha womöglich, ohne es zu wissen: Genmaicha, die beliebte Mischung aus grünem Tee und geröstetem, teils gepufftem Reis, wird klassischerweise auf Basis von Bancha hergestellt, meist im Verhältnis 1:1 mit dem Reis. Ursprünglich diente die Reis-Beimischung dazu, den vergleichsweise teuren Tee zu strecken – heute schätzt man Genmaicha vor allem für seinen nussig-warmen, leicht gerösteten Geschmack.



