Was ist dran, was ist drin?
Was die Inhaltsstoffe und deren positive gesundheitliche Wirkung angeht, spielt Bancha vielleicht nicht in der gleichen Liga wie Sencha oder gar der berühmte Gyokuro, aber er muss sich keinesfalls verstecken.
Eisen – mit einem Aber
Neben vielen Mineralstoffen und Spurenelementen enthält das Blattgut von Bancha-Tee reichlich Eisen. Allerdings gilt: Wer davon wirklich profitieren will, müsste die aufgebrühten Blätter mitessen — beim klassischen Aufguss landet nur ein kleiner Teil des Eisens tatsächlich in der Tasse. Als alleinige Eisenquelle bei Eisenmangel taugt eine Tasse Bancha also nur bedingt, als Tee mit ein paar zusätzlichen Mineralstoffen aber allemal. Wer sein Eisen stattdessen über die Nahrung aufnehmen möchte, sollte sogar aufpassen: Die Gerbstoffe im Tee können die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln bei gleichzeitigem Verzehr um bis zu 60–80 % senken (Fleisch- und Fischeisen ist davon kaum betroffen). Wer auf ausreichend Eisen angewiesen ist, trinkt seinen Bancha daher besser zwischen den Mahlzeiten statt direkt dazu – dann fällt der Effekt deutlich geringer aus.
Catechine, L-Theanin und Fluorid
Grüner Tee wie Bancha verdankt einen guten Teil seines Rufs den enthaltenen Catechinen, allen voran EGCG (Epigallocatechingallat) – Antioxidantien, die freie Radikale abfangen und in zahlreichen Studien mit positiven Effekten auf Herz-Kreislauf-System und Zellschutz in Verbindung gebracht werden. Ein besonders spannendes Forschungsfeld ist außerdem die Wirkung gegen bestimmte Pilzarten wie Candida albicans, die sich in Laborversuchen zeigte, teils sogar in Kombination mit klassischen Antimykotika. Wichtig dabei: Diese pilzhemmenden Effekte wurden bislang überwiegend im Reagenzglas nachgewiesen, aussagekräftige Studien am Menschen fehlen. Bancha als Hausmittel gegen Pilzinfektionen zu empfehlen, wäre daher verfrüht — als Tee zum Genießen bleibt er aber allemal eine gute Wahl.
Für die typische "ruhige Wachheit", die viele Teetrinker an grünem Tee schätzen, ist vor allem die Aminosäure L-Theanin verantwortlich. Sie kommt fast ausschließlich in der Teepflanze vor, wirkt entspannend und dämpft im Zusammenspiel mit dem Koffein dessen aufputschende Wirkung ab – das Ergebnis ist ein sanfterer, gleichmäßigerer Energieschub als etwa bei Kaffee, ganz ohne die typische Nervosität.
Ein weniger bekannter, dafür umso Bancha-spezifischerer Fakt betrifft den Fluoridgehalt: Die Teepflanze reichert Fluorid aus Boden, Wasser und Luft im Laufe ihres Wachstums in den Blättern an. Weil Bancha aus reiferen, später geernteten Blättern besteht, enthält er davon spürbar mehr als der junge Sencha – Messwerte in Studien reichen bei jungen Blättern von rund 100 bis 430 mg/kg, bei alten Blättern von 520 bis über 2000 mg/kg. In traditionellen japanischen Haushalten gilt das sogar als Vorteil für die Zähne. Bei den überschaubaren Trinkmengen des Alltags ist das kein Grund zur Sorge, wer allerdings sehr große Mengen Bancha trinkt, sollte im Hinterkopf behalten, dass dauerhaft hohe Fluoridzufuhr auch unerwünschte Effekte haben kann.
Koffeinarm und magenfreundlich
Geradezu legendär ist in Japan auch der Ruf, den Bancha für eine bekömmliche Verdauung genießt. In der traditionellen japanischen Küche gilt er als eher basisch – ob sich das tatsächlich messbar auf die Verdauung auswirkt, ist wissenschaftlich aber nicht eindeutig belegt, da der Körper seinen Säure-Basen-Haushalt weitgehend selbst reguliert. Handfester ist dagegen der Effekt des geringen Koffein-Gehalts: Er macht Bancha spürbar magenfreundlicher als koffeinreichere Grüntees. Er enthält weniger als die Hälfte des Koffeins von Sencha oder Gyokuro – je nach Ziehzeit und Wassermenge sind das grob 10 bis 20 mg pro Tasse (200 ml), gegenüber 30 bis 40 mg bei Sencha. Lediglich Kukicha und Karigane enthalten weniger Koffein als Bancha.
Menschen mit Magenproblemen, die andere Tee-Sorten nicht vertragen, empfinden Bancha oft als angenehm bekömmlich.
Erfreulich für Menschen, die gern ganztägig Tee trinken möchten: Bancha kann man wegen seines geringen Koffein-Gehalts auch am späten Nachmittag oder frühen Abend genießen, ohne um den Nachtschlaf fürchten zu müssen. Auch junge Menschen kann man mit einer Tasse Bancha-Tee bedenkenlos erfreuen.



